Windwatt als Lebensraum im Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft


Das verlandete Windwatt vor den Werderinseln am Ende der Halbinsel Zingst erstreckt sich von der Insel Bock in Richtung Hiddensee. Windwatte bieten Seevögeln und in der Herbstzeit den Kranichen einen ruhigen und schützenden Lebensraum. Zu den vielfältigen Naturlandschaften in der Region Fischland-Darß-Zingst gehören die besonders flachen Wasserzonen im Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft. Durch die natürliche Meeresströmung kommen gewaltige Massen an Sediment und Sand in Bewegung, die sich vor allem um den Darßer Ort und die Region Hohe Düne Zingst bei Pramort anlagern. Das Windwatt darf ausschließlich zu Forschungszwecken betreten werden und erfordert eine Genehmigung des Nationalparkamtes.


Extreme Umweltbedingungen prägen die kleinen Wattflächen


Im Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft spürt man Ebbe und Flut kaum, dennoch kommt es zu Schwankungen des Wasserpegels, insbesondere durch Winde verursacht. Während die Hydrodynamik der Flachwasserbereiche im Wattenmeer der Nordsee von den Gezeiten beeinflusst wird, drücken Wind und Sturm das Wasser aus dem Küstengewässer des Bodden in die Ostsee. Besonders flache Zonen fallen trocken und fließen nur bei einer Drehung des Windes zurück. Extreme Umweltbedingungen prägen die kleinen Wattflächen. Neben Trockenfallen über mehrere Wochen können lang anhaltende Überflutungen folgen. Die Salzkonzentration sinkt bei starkem Regen, dann wieder steigt sie an, ausgelöst durch Verdunstung in den Sommermonaten. Hinzu kommt der Wechsel von Überhitzung durch direkte Sonneneinwirkung und Auskühlung bei Nacht.


Ein Biotop als effektiver Schutz vor Feinden


Für die meisten wirbellosen Tiere wie Krebstiere, Stachelhäuter oder Würmer ist es nicht möglich, im Windwatt zu überleben. Doch von den wenigen existiert eine hohe Zahl an Individualarten, die als Nahrung für viele Watvögel dienen. Auf Futtersuche im Windwatt gehen etwa Säbelschnäbler oder Strandläufer wie der Sanderling. Die Wattflächen bieten Seevögeln und Robben einen sicheren Rückzugsort. Das Biotop im Vorpommerschen Nationalpark ist so weitläufig und überschaubar, dass es effektiven Schutz vor Feinden bietet, da sie von den Entspannung suchenden Wattieren schnell erkannt werden. Das Windwatt der Insel Bock ist berühmt als Rastplatz für Tausende Kraniche, die im Herbst auf ihrem alljährlichen Zug in die wärmeren Gefilde einen komfortablen Ort zum Übernachten finden.